Die große Show

Hase: Nour Bou Hassoun (13 Jahre, Syrien)

 

Unter dem Oberbegriff „Ein Krankenhaus für Schildkröten“ entsteht ein Text zu einem Hasen.

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Die große Show

Der Weg zum Wunschleben ist schwer, selbst wenn man, so wie ich, in Maßen gesund ist. Ständig ist man auf der Suche nach Lösungen für Probleme, die einem den Weg zu diesem Wunschleben versperren. Und sowie man die Probleme aus dem Weg geräumt hat, ändert sich auch schon die Vorstellung, die man von diesem Wunschleben hat. Der eine will endlich eine Wohnung für sich und merkt, dass er eigentlich die Gemeinschaft braucht. Der andere will endlich die Action der Großstadt erleben und scheitert an der Aufgabe in der Anonymität Freunde zu finden.

Das Leben ist anstrengend. Besonders im dritten Lebensjahrzehnt. Hat man die Schule hinter sich gebracht heißt es, sich zu entscheiden wohin die Reise gehen soll. Hat man sich dann für eine Ausbildung oder ein Studium entschieden zittert man bis zum Ende, ob man überhaupt einen Job finden wird. Das ist scheiße. Man fühlt sich wie ein kleiner Hase in einer zu großen Wiese mit zu hohem Gras.

Die Schildkröten aber wissen, wie der Hase läuft. Sie sind alt und weise und darum leiten sie auch ein Krankenhaus. Dort gehen Hasen hin, wenn sie mal wieder das Gefühl haben, sie sehen den Horizont hinter dem hohen Gras nicht mehr.

Die Gemeinschaft dort gibt ihnen Halt. Schildkröten können nämlich sehr gut zuhören. Mit ihrer empathischen Art beruhigen sie den Hasen und erinnern ihn daran, dass er super kräftige Beine hat, mit denen er ohne Probleme so hoch hüpfen kann, dass er den Horizont wieder sieht. Aber sie sagen ihm auch, dass es in Ordnung ist, wenn er einfach Mal eine Weile nur in der Grube sitzen will und die Wiese Wiese sein lässt.

So gestärkt kann der Hase sich wieder in den grünen Alltag begeben und der Dinge harren, die da kommen.

von Julia